Liebes Studium…

Seit dem Wintersemester 2008 nenne ich mich Studentin, das heißt ich komme nun in’s sechste Semester. In dieser kurzen Zeit hat sich viel verändert, sowohl an der Uni, als auch in meinem Leben. Meine Sicht auf die Dinge hat sich verändert. Als ich angefangen habe zu studieren waren die Anmeldephasen im Stundentakt – first come, first serve – und ich hatte nur das Studium und das Studentenleben im Kopf. Ich war durchgeplant, stellte mir volle Stundenpläne zusammen und in meiner Freizeit ging ich auf Partys. Zwei Studien und ein wenig Freizeit mussten durchgeplant werden. Ich habe mir fest vorgenommen beides vor der Mindeststudienzeit abzuschließen. Ich hatte Ziele, konkrete Vorstellungen und war hochmotiviert. Das war im ersten Jahr. Es hat sich viel verändert.

Schreibtisch

Das Leben besteht aus Änderungen…
Bleiben wir bei den technischen Änderungen. Das first come, fist serve Prinzip war perfekt für mich, da ich stets den Durchblick hatte und immer wusste wann ich online sein musste um mich anzumelden, viele andere wussten das nicht. Ich kam stets in die Seminare, in die ich wollte. Heute haben wir in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ein Punktesystem, welches mich im ersten Moment ausgetrickst hatte. Ich kam nicht in die Seminar in die ich wollte und konnte so ein Semester lang nicht wirklich viel machen. Das hat mich ein wenig zurück geworfen. Mein Tipp: Erst am Schluss anmelden und zwar bei den Übungen, bei denen man fix reinkommt, weil erst wenige angemeldet sind. In Theater-, Film- und Medienwissenschaft gibt es die Preferenzreihung, es sieht schlecht aus dieses Semester. Überall sind mehr Leute angemeldet, als es Plätze gibt. Hier ist es wohl dem Glück überlassen, ob man rein kommen oder nicht.
Das eine vertane Semester in Pukw hat mich etwas aus meinem Plan geworfen.

Erste Schritte in der Arbeitswelt
Bereits nach kürzester Zeit in Wien, habe ich angefangen zu arbeiten. Zunächst ein Jahr bei CHiLLi.cc (heute Mokant.at). Ein Jahr, in dem ich unglaublich viel über Journalismus und das Arbeiten in einer Redaktion gelernt habe. Es war wohl die Beste Entscheidung und die Beste Schule. Nach diesem einen Jahr habe ich wieder versucht, mich auf das Studium zu konzentrieren und habe nebenbei nach einem bezahlten Job gesucht. Zunächst erfolglos. Letzten Sommer dann das Praktikum bei Digital Affairs, welches mir einen Einblick in die Social-Media-Welt gab. Es war immer der Plan Journalistin zu werden, doch nach diesem Praktikum und dem einen Jahr bei CHiLLi.cc war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob dies wirklich das passende ist. Fakt ist, dass mir beides Spaß macht. Nach dem Praktikum bei Digital Affairs arbeitete ich bei eSeL.at, wo ich die Kunstszene Wiens kennen lernte, zumindest ein bisschen. Derzeit arbeite ich bei Mjam.at als Social Media Betreuerin, eine tolle und spannende Aufgabe. Man merkt vielleicht, das Studium ist etwas in den Hintergrund gerückt. Derzeit bekomme ich ständig Hinweise zu Jobs, die doch etwas für mich wären. Ja, ich finde sie alle spannend und würde sich auch alle machen, wenn ich die Zeit dafür hätte. Wenn ich nicht noch zwei Studien hätte.

Studium und/oder Job?
Manchmal würde ich am liebsten beide Studien auf Eis legen und mich Projekten und Jobs widmen. Denn offensichtlich braucht man nur Erfahrung und kein abgeschlossenes Studium, um für Jobs in Betracht zu kommen. Doch es wäre dumm und es wäre auch nicht meine Art alles hin zu schmeißen. Viele Leute haben Angst das Studium anzuschließen, weil sie nicht wissen was danach kommt oder weil sie einfach weiterhin die Vorteile eines Studentenlebens haben wollen. Sie wollen nicht Vollzeit arbeiten oder sich nach einem Job umsehen. Sie wollen einfach weiterhin Anfang zwanzig bleiben und keine Verpflichtungen oder Verantwortung haben. Doch verdammt noch mal, irgendwann müssen wir alle erwachsen werden.

Ich freue mich auf die Zeit nach dem Studium. Ich freu mich auf einen Job, im Social-Media Bereich vielleicht. Ich freue mich auf Arbeitskollegen und auf ein Büro. Ich freue mich auf fixe Arbeitszeiten. Ich freue mich auf spannende Projekte. Ich freue mich darauf, mein eigenes Geld zu verdienen. Ich freue mich auf Wochenenden und geregelte Zeiten.

Meine Vorstellungen haben sich geändert, meine Ziele sind nicht mehr ganz so konkret und meine Motivation versteckt sich oftmals hinter der Angst. An manchen Tagen möchte ich eine Auszeit nehmen, zumindest von einem Studium.

Liebes Studium,
wir beide wissen, dass wir noch ein bisschen Zeit miteinander verbringen werden. Doch manchmal wünschte ich, unsere Wege würden sich jetzt schon trennen. Ich wünschte du würdest mir mehr Zeit und mehr Freiheit lassen.
Ich wünschte man könnte sich Praktika oder Berufserfahrung anrechnen lassen. Wozu soll ich eine UE-Mume oder UE-Print machen, wenn ich bereits Berufserfahrung in diesem Feld gemacht habe? Um mich zu langweilen?
Ich wünschte es würden mehr Seminare angeboten werden, um überhaupt in irgendeines rein zu kommen und keine Zeit zu verlieren.
Ich wünschte man müsste nicht Projekte und Jobangebote ablehnen, weil man Angst hat seine Beihilfen zu verlieren.
Ich wünschte man würde von manchen Professoren besseres Feedback bekommen.
Ich wünschte, du würdest mir manchmal nicht so große (Versagens-)Angst machen.
Ich wünschte ich wäre manchmal disziplinierter oder hätte Zeit um auch in die Vorlesungen gehen zu können.
Ich wünschte ich würde mich manchmal nicht so unter Druck setzen.
Ich wünschte ich würde nicht immer alles auf einmal wollen, denn das geht nicht.

Veröffentlicht von

piximitmilch.at

Petra | 24 | Wien | Sie liebt Fotografie, Mode, Handgemachtes, gutes Essen und Reisen.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Nein zu neuen Projekten kam einerseits aus einer gewissen Geldknappheit (Zugfahren ist teuer) und andererseits, was wichtiger war, dass ich Menschen, die mir wichtig waren enttäuschen musst, weil ich versprochene Dinge nicht mehr erledigen konnte.

  2. Danke für eure Kommentare!

    Es stimmt schön, früher oder später braucht man einen Abschluss, vor allem wenn man aufsteigen will und eine höhere Position beziehen will. Ich will auch unbedingt beide Studien abschließen. Ich frage mich einfach nur, ob dies denn möglich ist, ob es nicht einfacher wäre, mir Zeit zu lassen.
    Ich setze mich derzeit vor allem in Publizistik unter Druck, nach einer schlecht ausgegangenen Prüfung habe ich Angst bei allen zu versagen. Klingt lächerlich, ist aber so. Ich weiß auch nicht, was ich dagegen machen kann, gegen diese Versagensängste.

    Die Jobs haben mir bisher wirklich alle Spaß gemacht und machen mir auch noch immer Spaß, das ist das gute. Sie stellen für mich einen guten Ausgleich dar. Es ist nur seltsam, wenn man das was einem wirklich Spaß macht, hinten anstellen muss, weil man eben noch die Studien hat, die einem oftmals weniger Spaß machen. Gerade in Publizistik erkenne ich stark, dass mir die Übungen nichts bringen und viele Vorlesungen nicht wirklich interessant für mich sind. Das ärgert mich und kostet Zeit und Energie.

    @Luca: Das mit dem Nein zu neuen Projekten finde ich gut. Ich bin da leider oftmals nicht so konsequent und nehme Zusatzarbeiten an, für die ich eigentlich keine Zeit habe. Ich kenne das alles was du beschreibst. Ich bin ein Mensch der sich selbst immer am meisten fordert und von sich selbst immer alles verlangt. Daher suche ich mir oft auch Übungen und Seminare aus, die fordernd sind (wie Kobuk). Das grenzt ein bisschen an Selbstgeißelung. Ich könnte mir vieles auch einfacher machen.

    Das mit der Angst und der Flucht ist bei mir bei den Prüfungen derzeit so. Ich mache mir Angst, setze mich unter Druck und blockiere mich dadurch so, dass ich nicht lernen kann beziehungsweise, dass nichts in meinen Kopf reingeht.

    Achja. Alles wird wieder gut. ^^

  3. das kommt mir alles sehr bekannt vor…

    praxis ist schon mehr wert für’s berufsleben. dennoch bleibt ein abschluss (bachelor, master) in manchen unternehmen, vor allem im englischsprachigen raum, der schlüssel zum erfolg..

  4. Mir geht es gerade ähnlich. Wobei ich viel Schuld auf meinen letzten Job schiebe und natürlich meine Entscheidung ihn so zu machen, wie ich ihn gemacht habe. Riesige Mengen an Motivation verbrannt, was mich immer noch verfolgt und mich ständig alles in Frage stellen lässt, was ich mache. Ich habe fast zwei Semester damit verloren, weil ich das Studium immer weiter zur Seite geschoben habe, nur noch ein paar Prüfungen gemacht, wenige andere Lehrveranstaltungen. Meine Motivation fürs Studium ist zurück gegangen bis ich dann auch noch vom Job enttäuscht wurde bzw. gesehen habe, wie unglücklich ich war. Da war ich schon mitten in den Tiefs, die mich tagelang nichts tun ließen. Im Selbstmitleid und -zweifel wimmernd.

    Durch den geplanten Umzug, habe ich aber wieder Druck. Möchte das Studium bis zum Sommer abschließen. Einzelne Lehrveranstaltung und die Bakk Arbeit haben wieder etwas Motivation gebracht. Das Anmeldesystem als Feind. Ich habe mich einerseits nicht wirklich informiert und andererseits recht spät angemeldet. 1000 Punkte auf das Bakk.-seminar, weil es essentiell ist und ich daneben nur noch eine Prüfung in PuKW brauche. Ansonsten versuche ich endlich meine Wahlfach ECTS zusammenzubekommen und hoffe, dass die am Ende auch alle so anerkannt werden, wie ich es brauche. Für 78 ECTS habe ich mich angemeldet, Theater- Film- und Medienwissenschaften, Soziologie und Philosophie. 46 brauche ich. Das alleine ist schon selbstüberschätzend. Ob ich in ausreichend Lehrveranstaltungen komme, weiß ich noch nicht.

    Daneben eine neue Arbeit und ein Projekt, das schon seit Weihnachten fertig sein sollte, mich aber immer noch verfolgt und mir regelmäßig Zeit und Energie stiehlt. Die Arbeit, auf welche ich mich so gefreut habe, bleibt momentan auf der Strecke und es tut mir Leid. Aber ich schaffe es momentan nicht. Irgendwann sollte ich noch über unterschiedliche Erwartungshaltungen und den Druck, den ich nicht aushalte schreiben.

    Immer wieder trudeln Jobangebote rein. Meist sind sie spannend und ich würde es mir gerne näher anschauen, aber seit ein paar Monaten lehne ich konsequent alles ab, das länger als einen Tag dauern könnte. Es hilft mir zumindest auf die drei laufenden Dinge, Studium, Projekt, Arbeit zu konzentrieren und sie langsam abzuschließen, um dann wieder offen für neues zu sein. Dass meine Leidenschaft fürs Schreiben und Lesen dabei vollkommen untergeht ignoriere ich noch.

    Momentan wieder ein Tief. Die Uni beginnt wieder zu rattern, ich weiß nicht wie ich alles schaffen soll und denke zu viel nach. Denke mich tot und stelle dann fest, dass ich statt Sachen zu erledigen ein Vielfaches an Zeit damit verbracht habe, mich vor ihnen zu fürchten.

    Ich bin etwas zu egozentrisch. Tut mir Leid.

  5. ich kenn’ das alles auch aus erster hand. ich hätte nur vor allem angst, dass diese ganze “ja der job sieht ja ganz gut aus und würde passen” – möglichkeit im endeffekt eine farce ist, und man dann ohne abschluss mit 35 immer noch dieselben jobs macht, weil in den höheren jobs dann doch ein bakk oder mag. gefragt ist. (es sei denn, man wird selbstständig)

    das mit den ue’s stimmt wirklich. da muss man schon glück haben, um etwas daraus mitzunehmen. und/oder – wenn nicht – wenigstens spaß zu haben.

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