Ist mir doch egal, ob ich eine Frau bin.

Menschen müssen Dinge einordnen, sich eine Meinung dazu bilden um es anschließend in eine Schublade stecken zu können. Wenn wir jemanden auf der Straße sehen, assoziieren wir Dinge, Eigenschaften, Gedanken. Wir machen uns ein Bild. Das alles liegt in der Natur des Menschen und daran ist auch nichts Verwerfliches. Es hilft dem Menschen, sich in dieser komplexen Welt zurecht zu finden und nicht ganz verloren zu sein. Dass die Bilder, die wir uns machen, oftmals falsch sind oder ergänzt und ersetzt werden müssen, wissen wir. Und oftmals ändern wir unsere Ansichten auch. Doch warum? Gesellschaftlicher Druck oder die eigene Erkenntnis? Vielleicht ein Bisschen von beidem.


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Apropos einordnen: Heute ist Weltfrauentag. Und ich weiß, dass ich mir zum Weltmännertag am 3. November keine Gedanken zu diesem Thema gemacht habe. Doch ich werde jetzt nicht über Feminismus, Frauenquoten und Co schreiben. Dafür ein bisschen über Gleichberechtigung und was “Mensch sein” bedeutet oder bedeuten kann.

Nicht nur Mann und Frau, auch Papa und Mama.
Wir alle wissen, Frau zu sein ist schwer. Ja, so unglaublich schwer. Wir werden einfach nicht gleichberechtigt behandelt, kommen nicht in die Führungspositionen (gläserne Decke sei Dank!), bekommen weniger bezahlt und sind einfach immer das Opfer. Immer! Immer? Werden Frauen in der Gesellschaft wirklich immer als das minderwertigere Geschlecht angesehen? Bestimmt nicht immer. Denn wenn wir uns als Kind in der Schule weh getan haben, hat die Lehrerin immer gemeint: “Die Mama kommt bald und dann ist alles wieder gut.” Und was ist mit dem Papa? Und zum Muttertag haben wir immer etwas schönes gebastelt, zum Vatertag irgendwie nicht. Hat der Papa kein Anrecht auf Geschenke und auf ein Danke? Nein. Denn die Frau übernimmt die Erziehung. Die Frau ist für Familie und Haushalt zuständig. Jeder hatte so seine Aufgaben, heute haben wir alle die gleichen Aufgaben. Mann und Frau gehen arbeiten, Mann und Frau kümmern sich um den Haushalt, Mann und Frau erziehen die Kinder. Im Idealfall.

Es kommt wohl auch immer auf die Perspektive an, wie überall. Männer werden auch nicht gleichberechtigt behandelt, sie müssen einen guten Job haben und das Geld nachhause bringen. Jedes Geschlecht hat so seine Rolle in der Gesellschaft. Und es ist auch jedem selbst überlassen ob er dieser Rolle gerecht werden will, oder eben nicht. Heutzutage muss man ja gott sei dank nicht mehr der starke Macho oder das Hausmütterchen mimen. Heute kann es auch umgekehrt sein.

EMANZIPIERT VON DER EMANZIPATION
Foto von Christian Mayrhofer.

Doch warum diskutieren wir dann eigentlich darüber? Warum ist es immer so ein großes Thema? Warum muss man die Unterschiede zwischen Frau und Mann immer so in den Vordergrund rücken? Warum beschäftigt sich jedes Medium mit diesem Weltfrauentag? Was war am Weltmännertag mit euch los? Frauen haben in manchen Bereichen noch Nachteile, keine Frage, doch Männer genauso. Erst seit kurzem ist Väterkarenz möglich und auch erwünscht, Väter dürfen nun auch Väter sein. Kinder haben nun die Möglichkeit, nach einer Scheidung auch beim Vater zu wohnen. All diese familienpolitischen Dinge haben auch seine Zeit gebraucht. Hier hatte die Frau mehr Rechte als der Mann. Ist ja irgendwie auch klar: Männer arbeiten, Frauen kümmern sich um die Familie. Alte Laster aufzuheben, dauert eben seine Zeit.

Wir sollten uns nicht um Geschlechter kümmern, sondern gesellschaftliche Prozesse zulassen und unterstützen. Es sollte nicht heißen: “Ich bin Frau.” sondern vielmehr “Ich bin so, wie ich sein möchte.”
Ich weiß, es ist manchmal einfach sich auf das eigene Geschlecht hinauszureden: “Ich bin ein Mann, ich muss keine Knöpfe annähen können” oder “Ich bin eine Frau, ich muss nicht wissen, wie man einen Reifen wechselt”. Naja, eigentlich schon. Wir sollten Verantwortung für uns selbst übernehmen und nicht unser Geschlecht missbrauchen.

Sexualität ist mehr als nur Mann und Frau
Doch wie war das noch einmal mit dem Geschlecht? Ach ja, es gibt Männer und Frauen, und die sind verschieden. Stop! Auch hier hat sich viel entwickelt. Sexualität ist nichts statisches, nichts vorgegebenes, nichts einordbares. Geschlecht wird von einem selbst konstruiert und gelebt. Im Idealfall. Man wird sich seines Geschlechts bewusst und auch seiner sexuellen Orientierung. Diese muss jedoch nicht das gesamte Leben lang gleich bleiben. Nichts muss, alles kann. Und auch hier hat sich viel getan, gleichgeschlechtliche Ehe ist möglich und wird von der Gesellschaft auch weitestgehend toleriert. Auch Menschen, die im (gefühlsmäßig) “falschen” Geschlecht geboren wurden, haben Möglichkeiten, ein für sie normales Leben zu führen.

Das Geschlecht im Wandel
Die Gesellschaft befindet sich ständig im Wandel, neue Formen der Sexualität neue Formen von Frau und Mann sein tauchen auf. Wir erfinden uns jeden Tag neu und erkennen neue Dinge, daraus können Bewegungen entstehen und daraus wiederum etwas, was in der Gesellschaft seinen Platz findet. Es ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Der von der Gesellschaft angenommen und vor allem auch gelebt werden muss. Es braucht Frauen in Führungspositionen, Homosexuelle und sich kümmernde Väter. Und es gibt sie auch alle.
Man sollte nicht immer die Unterschiede thematisieren, sondern auch die Dinge, die immer gleich sind. Denn Mensch zu sein ist schwer. Egal, welches Geschlecht, welche Hautfarbe oder welcher kulturelle Hintergrund da im Spiel ist.

equal

Einfach mal “nur” Mensch sein
Ich bin trotz allem gerne Mensch. Als Kind trug ich ausschließlich Hosen, heute trage ich nie welche. Als Kind wollte ich immer so sein wie meine Schwester, heute will ich so sein wie ich. Und ich studiere und arbeite gerne, möchte später auch einmal Karriere machen in einem Beruf, der mir wirklich Spaß macht. Und sollte er mir irgendwann nicht mehr Spaß machen, mache ich einfach etwas anderes. Ich möchte reisen, vielleicht auch einmal im Ausland arbeiten. Ich interessiere mich für Fotografie, Mode, Technik und Kunst. Ich gehe gerne in Stadien und fahre gerne schnell mit dem Auto. Ich esse gerne Vanille- und Schokoeis. Denn man muss sich nicht immer für eines entscheiden. Ich bin gerne zielstrebig und weiß, was ich nicht will. Ich bin im Grunde ganz normal und trotzdem nicht so wie irgendjemand sonst. Ich bin Mensch und verändere mich jeden Tag, und das ist auch gut so.

Und vielleicht solltest du dich fragen:
Wer bist du und wer willst du sein?

Weitere Beiträge gibt es von Iwona und auf baeck.at zu lesen.

**PS. Dieser Beitrag ist eine Sammlung von Gedanken und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität.

Veröffentlicht von

piximitmilch.at

Petra | 25 | Wien | Sie liebt Fotografie, Mode, Handgemachtes, gutes Essen und Reisen.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So wunderbar geschrieben !!! Und der Inhalt ist so treffend !
    Mich nervt es auch, dass Frauen sich immer so als Opfer darstellen, aber mittlerweile kippt es fast in die andere Richtung, Frauen wird teilweise sogar so viel zugesprochen, dass es ungerecht für Männer wird.
    Aber ein heikles Thema, viele reagieren da ja immer so allergisch drauf…

    Liebste Grüße !

  2. ²Flirrentflut: Ja, du hast auf jeden Fall Recht. Wie gesagt, es muss sicher noch daran gearbeitet werden. Es muss salonfähig werden sozusagen. Aber so etwas geht halt nicht vom einen auf den anderen Tag, das ist ein stetiger Prozeß, und die Anfänge wurden gelegt, ich denke, dass es mit den Jahren nur besser wird.

  3. ein schöner Text!

    … aber ich finde gleichgeschlechtliche Ehe wird (hier in Ö) noch nicht “weitestgehend toleriert” .. irgendwie toleriert ja, aber es soll noch viel weiter gehen als nur tolerieren und akzeptieren. Solange Homo-Ehen von manchen immer noch als “nicht gesellschaft-beitragend” gesehen und durch diverse Schikanen behindert / stigmatisiert sowie nicht “als Normalität” gesehen werden, gibt es noch einiges zu tun hier …

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