Endlose Wege.

Spazieren gehen und die kühle Luft in den Haaren spüren. Das war das Einzige, das ich tun konnte in diesem Moment, in dem ich feststellen musste, dass ich in meiner „Heimat“ bin.


Wenn man im Zug sitzt, die rauschenden Straßen, Felder und Wohnhäuser an einem vorbei ziehen und man sich freut, weil man bald seine Familie wieder sehen wird, weiß man noch nicht was ein paar Tage später alles hereinbrechen kann. Denn alte Wunden heilen nicht. Und diese vielen Orte der Kindheit, brechen zu viele alte Wunden auf. Zu viele Erinnerungen, zu viele Gefühle.


Drei Tage zu Hause, drei Abende Weißwein. Man trinkt, weil man das nun mal so macht. Weil es etwas zu feiern gibt. Weil es ja eigentlich immer etwas zu feiern gibt, auch ohne Anlass. Trinken. Habe ich ihn jemals nüchtern gesehen?


Einen Kuchen habe ich gebacken, für sie. Weil ich so viel zurückgeben möchte, aber es nicht kann. Weil Emotionen nie gut sind, und man gelernt hat zu schlucken, anstatt zu reden. Einen Kuchen mit Kerzen. Sie hat sich gefreut, sie hat von ganzem Herzen gelacht. Zugeben würde sie das natürlich nie. Ich wünschte sie würde öfter solche Momente erleben. Ich wünschte ich würde öfter in solchen Momenten anwesend sein.



Und dann ging ich spazieren. Den kleinen Hügel hinter dem Haus rauf, und dann immer vorwärts. Der Wind blies ihr kühl ins Gesicht und mit jedem Schritt wurde ihr klar, was hier alles passiert ist. Orte vergessen nie. Sie erinnern einen immer wieder an ganz bestimmte Momente und Situationen. Wie oft ist sie schon diesen Weg gegangen. Wie oft hat sie schon die schweren Steine unter ihren Fußsohlen gespürt. Zu oft. Ihre ganze Kindheit lang. Wie oft hat sie hier gespielt und wie oft hat sie sich mit zunehmenden alter hier her zurückgezogen. Denn zwischen den Feldern und der Weite, ist nichts. Man sieht alles auf diesem Berg, und man hat das Gefühl über den Dingen zu stehen. Alles ganz klar zu sehen. Dieser Ort war stets ein Zufluchtsort, doch die Gefühle die sie heute damit verbindet, schnüren ihr die Luft ab. Es ist so als würde alles auf einmal wieder hochkommen. Ihr wird schlecht. Sie sieht den Hochsitz, den sie stets kontrolliert, wenn sie daran vorbei geht. Sie will schließlich alleine sein. Darum ist sie hier. Sie muss sich kurz an einem Baum anlehnen, um nicht um zu kippen. Der Schweiß glänzt auf ihrer Stirn, obwohl der kalte Wind seine Kreise zieht. Ihr wird schwummrig. Ergeben. Übergeben. Bruchstücke. Vergangenheit.


Manchmal ist es schön in die „Heimat“ zurück zu kehren, für ein paar Tage, für ein paar schöne Stunden. Doch mein Lebensmittelpunkt ist hier nicht, und wird hier auch niemals wieder sein. Zu viel Vergangenheit ist an diesem Ort. Und wo ist Heimat? Immer wo anders? Oder nie irgendwo? In meinen Träumen? Oder ist es im Grunde egal?

Veröffentlicht von

piximitmilch.at

Petra | 24 | Wien | Sie liebt Fotografie, Mode, Handgemachtes, gutes Essen und Reisen.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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